Mission lautet: Stadt und Quartier positiv beeinflussen

Der Freiheits- und -Demokratiegedanke stehen beim Frühjahrsempfang mit zahlreichen Vertretern der Politik, Kultur, Kirche, Wirtschaft und Bürgern der Stadtgesellschaft im Mittelpunkt.

 

Nie war er so wertvoll wie heute: der Frühjahrsempfang des Forum Hospitalviertel e. V. „Denn alle Bereiche des Quartiers und des Stadtlebens sowie des Gemeinwesens sind heute versammelt“, registrierte Forum-Vorstand Eberhard Schwarz mit Freude bei seiner Begrüßungsrede auf der Bühne des Renitenz-Theaters. Das war aus Sicht des Pfarrers im Ruhestand aus einem Grund besonders wichtig: „Wir leben in Zeiten, in denen die Gesellschaft auseinanderzubrechen droht.“

War der Frühjahrsempfang also bisher schon wichtig, um eine informelle und gesellige Umgebung zu schaffen, in der Menschen aus verschiedenen Bereichen, wie Politik, Wirtschaft, Bildung und Kultur, zusammenkommen können. So war er angesichts des zur Sorge veranlassenden Sittenbildes von Eberhard Schwarz in diesen Tagen besonders wichtig: Denn der Empfang ermöglichte den Austausch von Ideen und die Knüpfung neuer Verbindungen von Menschen, denen das Wohl und Weh der Stadt am Herzen liegt. Ein Ausschnitt der Gästeliste mag das veranschaulichen. Gekommen waren neben vielen anderen die Bezirksvorsteherin Mitte Veronika Kienzle (Grüne) nebst ihrem Gatten Altstadtrat Michael Kienzle (Grüne), die Stadträte Christoph Ozasek (Klimaliste), Doris Höh (FDP), Jürgen Sauer (CDU), Raphaela Ciblis (Grüne), den Bezirksbeiräten Cornelius Hummel (FDP), Klaus Wenk (CDU), Peter Jagusch (PULS) sowie der FDP-Europakandidatin Dajana Hummel.  

Auch ihnen galt der Dank von Eberhard Schwarz im Namen des Vereins für ihre Unterstützung bei dem Haushaltsantrag zur Förderung der Vereinsarbeit in den kommenden zwei Jahren. Dank und Anerkennung sprach Schwarz aber auch dem Revierleiter Mitte, Jens Rügner aus: „Es ist gut, sie in unserer Nachbarschaft zu wissen.“ Nicht weniger dankbar zeigte sich Schwarz gegenüber Astrid Schmelzer vom Stadtplanungsamt: „Sie haben mit ihren Kollegen viel zur Entwicklung und Aufwertung des Quartiers beigetragen.“ Das Viertel, so Schwarz weiter, ist in seiner Qualität und seinem Ruf zur Quartiersarbeit weit über die Quartiersgrenzen hinausgewachsen. „Das ermutigt uns weiter am Ball zu bleiben“, sagte Schwarz.

Und weil so ein Frühjahrsempfang natürlich auch dazu dient, wichtige Informationen über aktuelle Projekte, Initiativen oder Entwicklungen zu präsentieren, kam Eberhard Schwarz flugs auf das Demokratie-Projekt zu sprechen, bei dem das Forum Hospitalviertel Kooperationspartner der Uni Stuttgart und dem Internationales Zentrum für Kultur- und Technikforschung (IZKT) ist.  Im Rahmen des Projekts kam Schwarz auch auf die Suche nach einem konkreten Ort zu sprechen, „an dem Demokratie sichtbar und erlebbar wird“. Gemeint ist das Leuschnerplätzle, „wo die erste Demokratiebewegung Deutschlands mit Gewalt zerschlagen wurde“.

Nicht nur dort soll laut Dr. Elke Uhl vom IZKT der Geist ihres Projektes wehen: „Wir befassen uns nicht mit Freiheit an sich, sondern wir stellen uns die Frage: Wie sind zukünftige Freiheiten, wie können Sie beschaffen sein?“ Deswegen begeben sich die Studenten dreier Hochschulen der Uni Stuttgart, der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und der Merz-Akademie ins Jahr 2049. Sie fragen, wie diese alltäglichen Freiheitspraktiken geschaffen sein werden und produzieren spekulative Dokumentarfilme. Wichtig dabei ist, dass diese Filme nicht im stillen Kämmerlein entstehen, sondern im Dialog mit den Bürgern. Das Ziel ist es, dafür eine temporäre Zukunftswerkstatt am Leuschnerplätzle zu schaffen.

Sichtbar und erlebbar zu sein, ist natürlich auch für Theaterleute die Basis für eine gute Arbeit. Im Hospitalviertel hat das der Gastgeber Roland Mahr mit seinem Renitenztheater gefunden. „Wir haben uns hier immer willkommen gefühlt“, sagte der Intendant des Renitenztheaters, der auch Vorstand im Forum Hospitalviertel ist. Und so befruchte man sich bis heute wechselseitig: die Kunst und der Quartiersverein. „Die Frage des Zusammenlebens beschäftigt nicht nur mich persönlich“, sagte Mahr, „sondern wird auch in unseren Produktionen thematisiert.“ Weiter sagte er: „Dazu planen wir ein Herzensprojekt, nämlich unser Festival „Büchse26“, das vom 4. bis 9. Juni stattfinden wird.“  Was einen an diesen Tagen erwarten könnte, zeigte schließlich der renommierte Kabarettist Thilo Seibel. Er fokussierte sich auf die Herausforderung, der aktuellen Weltlage etwas Positives abzugewinnen.

Als Kommunalpolitiker muss man ohnedies immer positiv denken. Denn ohne Gestaltungswillen und die innere Mission, die Stadt positiv zu beeinflussen, würde keiner ein Mandat übernehmen. Was die jeweiligen Mandatsträger antreibt, das gaben sie beim Frühjahrsempfang spontan und ohne Vorbereitung zum Besten, was sie unter Freiheit und Demokratie verstehen:

Jürgen Sauer (CDU): Für mich spielen die Begriffe Freiheit und Demokratie eine ganz zentrale Rolle in unserem Staatswesen. Und natürlich hängen Freiheit und Demokratie zusammen. Ein ganz wichtiger Punkt ist für mich auch, dass man eine freie Meinungsäußerung in Stuttgart im Land Baden-Württemberg und in Deutschland auch in Zukunft äußern kann.“   

Veronika Kienzle (Grüne): „Ja, was bedeutet Freiheit für mich? Die Freiheit bedeutet, dass wir die Freiheit haben, uns zusammenzuschließen, um etwas Gutes auf den Weg zu bringen. Und dass wir weitestgehend die Voraussetzungen haben, dies allen zu ermöglichen. Auch jenen, die vielleicht ein körperliches oder auch geistiges Handicap haben. Es ist gut, dass sie ihre Ideen oder Fähigkeiten mit einbringen können. Freiheit bedeutet aber auch, nein zu sagen, wenn wir meinen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Oder wenn wir meinen, dass wir die Regeln neu definieren müssen. Und natürlich dann, wenn wir meinen, dass hier einfach die Freiheit der anderen eingeschränkt wird. Bezogen auf den Verein Forum Hospitalviertel bedeutet das: Ich habe diese Arbeit hier im Quartier seit 20 Jahren immer als eine freie, eine geistig freie Arbeit empfunden. Gerade weil sie in der Gesellschaft verankert ist, weil sie Interreligiös verankert ist. Diese Arbeit beschränkt sich nicht auf eine Religion, sondern sie bezieht alle Religionen und auch alle spirituellen Strömungen, die wir in der Stadt haben, mit ein. Insofern ist hier, auf kleinstem Raum der großen Landeshauptstadt, so viel Entscheidendes passiert, was für mich auch Vorbildcharakter für die gesamte Landeshauptstadt hat.“

Christoph Ozasek (Klimaliste): „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden. Das heißt, wir müssen die Freiheit schützen. Und immer die Freiheit der anderen im Blick behalten oder sie verteidigen. Mit Jean Jacques Rousseau, dem klassischen liberalen Philosophen, gesprochen, ist Freiheit ein Zustand, der dann da ist, wenn niemand unterdrückt wird. Wenn zum Beispiel die Gesetze für die Mächtigen gemacht sind. Dann ist es keine Demokratie für alle. Ich glaube, da sind wir in einem gefährlichen Entwicklungskorridor weltweit.  Ich mache mir große Sorgen um unsere Demokratie. Wenn ich schaue, wie diese Lichtgestalten, diese Techgiganten, die unermessliches Vermögen aufgehäuft haben, heute Kontrolle ausüben können über Demokratie, dann ist das etwas demokratiegefährdendes. Das muss uns alle beschäftigen. Wenn ich sehe, wie viele Länder weltweit gerade wegdriften in Richtung Autoritarismus und wie die Demokratie als Staatsform tendenziell schwindet, dann muss uns das alle beunruhigen. Durch die starke Konzentration von Vermögen, von politischer Macht in den Händen weniger, geht vieles davon verloren. Und viele Menschen fühlen sich in so einer Demokratie nicht mehr repräsentiert. Deshalb müssen wir Sorge dafür tragen, dass die Stimmen aller gehört werden und nicht nur diejenigen Stimmen der Menschen, die laut schreien und die Macht haben und den Einfluss und die Netzwerke.“

Margarete Schumm (Klimaliste): „Ich mach es genau andersrum, ich beginne beim Individuum. Bei jedem Einzelnen und dessen Freiheit, die nur so weit gehen darf, dass man andere mit seinem Handeln nicht einschränkt. Ich glaube, das ist das, was unsere Gesellschaft braucht. Nämlich dass sich Menschen in einem Quartier begegnen können und in einen Dialog kommen. Wir wollen uns für Orte einsetzen, wo es diese Begegnung gibt. Für eine Stadt, die in ihrer Transformation alle mitnimmt. Wenn wir anfangen, den anderen zu verstehen, zuzuhören, uns zu begegnen, aber auch den Raum zu teilen, miteinander wieder zu teilen, dann können wir Freiheit und Demokratie bewahren. Genau das ist die Basisdemokratie, wenn wir wieder vor Ort im Quartier damit anfangen, miteinander in Verhandlungen zu treten. Und hier im Hospitalviertel ist ein wunderbarer Ort, wo das gut gezeigt wird.“

Raphaela Ciblis (Grüne):Auch bei mir geht der Gedanke sofort an unser Grundgesetz. Es ist wirklich immer wieder ergreifend, denn die Würde des Menschen ist unantastbar. Das ist was, was mir immer wieder Gänsehaut bereitet. Weil es eigentlich alles sagt, und das hat dann auch mit Demokratie zu tun. Mit dem Menschsein. Genau hier setzen wir uns mit unseren Ideen und unseren Programmen ein. Im Mittelpunkt unserer Politik steht daher immer die Menschenwürde und die Freiheit. Das ist unsere Verantwortung, das muss man spüren.“

Doris Höh (FDP): „Freiheit heißt für mich, die Möglichkeit zu haben, mir mein Leben, meine Existenz, mein Umfeld so zu gestalten, wie es mir möglich ist. Freiheit ist auch, sagen zu dürfen, was man denkt. Gerade die jungen Menschen gilt es zu motivieren, diesen Freiheitsgedanken auch zu leben.“  

Im Grunde gehen alle Statements in eine Richtung: Freiheit und Demokratie brauchen ein Forum, auf dem alles immer wieder ausdiskutiert wird. Ein Forum, das   Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit stiftet. In dieser Weise förderte der Frühjahrsempfang das Gefühl der Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit. Und damit hat der Verein seinem Namen „Forum Hospitalviertel“ alle Ehre gemacht. Denn dem Verein ist es gelungen, Menschen zusammenbringen, eine Atmosphäre der Verbundenheit und Solidarität zu schaffen, die dazu beiträgt, Beziehungen zu festigen und den Demokratiegedanken zu stärken.