Gemeinsinn stiften

Das Quartiersfest, das vom Forum Hospitalviertel e. V. am 18. September veranstaltet wurde, war weit mehr als ein gelungener Spätsommertag. „Es war kein Solitaire, kein isoliertes Event, sondern Ausdruck eines langen, gewachsenen Prozesses im Hospitalviertel, der durch die Kooperation der vielen Institutionen und Menschen sichtbar wurde“, sagte Forum-Vorstand Schwarz ihm Rahmen einer Fest- Nachbetrachtung im Hotel Wartburg.
Gemeint waren unter anderem die Vertreter der jeweiligen Institutionen, die zur Nachbetrachtung kamen und das Fest maßgeblich mitgestaltetet haben: Die Volkshochschule, das Seminar für Ausbildung und Fortbildung der gymnasialen Lehrkräfte, das Renitenz-Theater, das Büro Mohrmann, der Hospitalhof, die IRGW, die Brenz-Schule, die Hospitalkirche, das Hotel Wartburg, Ruf und Rat und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. „Es war ein Tag, der zeigte, was seit Jahrzehnten, ja seit Jahrhunderten im Grund dieses Quartiers angelegt ist: nämlich Gemeinsinn“, ergänzte Schwarz und spannte seine Bogen weit: Vom Renaissance-Stadtplan, der das Viertel als durchlässige Struktur mit Innenhöfen und Plätzen dachte, bis zu den heutigen Wirkungsstätten. Gemeint sind Orte des Gedenkens, der Bildung, der Religion, der sozialen Trägern und Initiativen. Sie alle prägen das Hospitalviertel. All diese Schichten – baulich, historisch, sozial – formen laut Schwarz die „Metaphysik des Ortes. Es sei der Boden, der Erinnerung speichert und Zukunft ermöglicht. Aus diesem Grund sieht Eberhard Schwarz das Quartiersfest als ein Brennglas, das Dinge sichtbarer macht und verstärkt.
So wichtig das Fest in seiner Wirkung war, mindestens so wichtig sei laut Schwarz der Prozess davor gewesen: die Gespräche, die Absprachen, das Sich-Annähern unter sehr unterschiedlichen Partnern. „Einrichtungen, die im Alltag völlig verschiedenen Logiken folgen – Bildung, Kultur, Religion, Beratung, Soziales, Verwaltung, Wirtschaft – kamen zusammen und verfolgten ein gemeinsames Ziel: das Viertel sichtbar machen, öffnen, beleben“, betonte Schwarz. Diese Organisationsprozess sei bereits Gemeinwesenarbeit in Reinform gewesen: „Das Fest war nur der Moment, in dem man es sehen konnte.“
Und man sah viel: hunderte Kinder, Familien, junge Menschen; Musik, offene Türen, neugierige Nachbarschaften; Institutionen, die sich erstmals beteiligten; Orte, die neu wahrgenommen wurden; ein Synagogen-Vorplatz, der nach langen Jahren der Planung endlich erlebbar war. Vor allem aber: ein Viertel, das nicht als Konsum- oder Ausgehmeile funktioniert, aber gerade deshalb über ein kostbares Potenzial verfügt. Ein Viertel, dessen Reichtum im Austausch liegt.
Schwarz betont, dass diese Form des Zusammenwirkens kein Selbstläufer sei. Schon gar nicht in Zeiten kommunaler Kürzungen und wachsender Unsicherheiten. Doch gerade deshalb sei das Fest ein starkes Signal: Gemeinsinn entsteht dort, wo viele unterschiedliche Akteure Verantwortung füreinander und für ihr Umfeld übernehmen.
„Diese Energie des Tages wirkt über ihn hinaus“, sagte Schwarz und begann die Indikatoren dafür aufzuzählen: „In der neu gefundenen Nachbarschaft zwischen Einrichtungen, in dem Bewusstsein, dass Stadt von Menschen gemacht wird, in dem Mut, auch künftig sichtbar zu sein und das Viertel gemeinsam weiterzuentwickeln.“
Mit Blick auf das 25-jährige Bestehen des Forum Hospitalviertel im Jahr 2027 und das Finale der IBA sieht Schwarz große Chancen: das Viertel gemeinsam zu öffnen, seine Qualitäten zu zeigen – historisch, sozial, kulturell – und erneut zu beweisen, dass Stadtentwicklung nicht nur aus Plänen besteht, sondern aus Haltung. Die Essenz seines Dankes an alle Beteiligten lässt sich in einem Wort zusammenfassen: „Gemeinsinn.“ Diese sei die unsichtbare Infrastruktur, die dieses Viertel trage, so Schwarz: „Das Quartiersfest hat diesen Gemeinsinn sichtbar gemacht.“


