
Demokratie soll im Herzen der Stadt sichtbar und erlebbar werden
Der Bezirksbeirat Mitte hat sich in einer Sitzung deutlich hinter die Pläne zu einer Neugestaltung des Leuschnerplätzles gestellt. Damit greift der Bezirksbeirat und die Verwaltung die Vorstellungen und Vorarbeiten des Forum Hospitalviertels auf. Denn der Verein arbeitet bereits seit über 15 Jahren an Ideen zur Umsetzung eines Platzes der Demokratie.
Ein kleiner Platz mit großer Geschichte: Das
Leuschnerplätzle, versteckt zwischen Fritz-Elsas-Straße und Leuschnerstraße im Hospitalviertel,
soll nach dem Willen des Stadtplanungsamtes, dem Bezirksbeirat Mitte und dem
Forum Hospitalviertel zu einem Ort der gelebten Demokratie werden. Aus dem schwäbischen
Diminutiv Leuschnerplätzle könnte sogar ein starkes Zeichen mit Symbolkraft: Es
könnte im Hopspitalviertel „Der Platz der Demokratie“ entstehen.
Den Anstoß zur Namensgebung gab Klaus Volkmar vom Amt für
Stadtplanung bei einem Lokaltermin am Leuschnerplätzle mit dem Vorstand des
Forums Hospitalviertel. Volkmar regte an, den geschichtsträchtigen Ort, an dem
einst das Rumpfparlament tagte, nicht länger mit einem „-plätzle“ zu
verniedlichen. Das werde der historischen Bedeutung des Ortes nicht gerecht. Die
Idee fand beim Vorstand des Forums sofort Anklang und Unterstützung.
„Dass Bezirksbeirat und Verwaltung dieses Projekt nun mit
uns angehen wollen, erfüllt uns mit großer Freude“, erklärt Eberhard Schwarz,
Vorstandssprecher des Forums: „Noch schöner ist es, dass wir in die Umsetzung
kommen, denn wir arbeiten an dieser Idee seit über 15 Jahren.“ Diese
langjährige Vorarbeit umfasste Kooperationen mit der Universität Stuttgart, dem
Internationalen Zentrum für Kultur- und Technikforschung (IZKT), dem
Stadtarchiv und politischen Akteuren. Ziel war es stets, den Platz nicht nur
städtebaulich aufzuwerten, sondern ihn auch inhaltlich mit Bedeutung zu füllen.
Ganz nach den Vorbildern des Oppenheimer- oder des Taro-Platzes.
„Eigentlich ist es entscheidend, dass ein Platz mit dieser
Geschichte auch sichtbar als Erinnerungsort gestaltet wird“, betont Pfarrer
Schwarz, „er soll jeder Bürgerin und jedem Bürger dieser Stadt bewusst machen,
wie wichtig ihr Einsatz für eine offene, demokratische Gesellschaft ist.“ Das
Forum schlägt daher vor, an dem künftigen Platz der Demokratie auch eine Art
„Speaker’s Corner“ nach dem Vorbild des Hyde Park in London zu etablieren. Eine
kleine Ecke, an der Menschen ihre Meinung frei äußern und diskutieren können.
„Ein könnte ein Ort sein, an dem politische Meinungen argumentativ
aufeinandertreffen, an dem Schulklassen lernen können, wie Demokratie
funktioniert. Nämlich lebendig, streitbar und respektvoll.“ Darüber hinaus
betont Schwarz die Notwendigkeit, den Platz in ein Netzwerk anderer
erinnerungskultureller Orte Stuttgarts einzubinden: von historischen Stätten
über Bildungsinstitutionen bis hin zu kulturellen Einrichtungen. Auch eine
Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus, dem Institut Français oder Stiftungen mit
bürgerschaftlichem und politischem Fokus sei essenziell, um dem Ort dauerhaft
inhaltliche Tiefe zu geben.
Ein weiterer Vorschlag mit großem Potenzial kamen von
Stadtplaner Volkmer und dem Forum Hospitalviertel: Eine seit Jahren
leerstehende Ladenfläche in der Leuschnerstraße 16 – direkt am Platz gelegen –
könnte künftig als Veranstaltungsort oder Bildungsraum genutzt werden. Die
Fläche gehört der Stadt Stuttgart und wird vom Liegenschaftsamt verwaltet. Für
das Forum Hospitalviertel wäre es ein idealer Ort, um Veranstaltungen,
Workshops oder Ausstellungen zur Demokratiegeschichte Stuttgarts dort zu
verankern.
„Die geplante Umgestaltung des Leuschnerplätzles markiert
mehr als eine städtebauliche Veränderung“, sagt Eberhard Schwarz, „sie ist
Ausdruck eines gewachsenen demokratischen Selbstverständnisses. Ein Ort, der
daran erinnert, woher wir kommen, und zugleich Raum schafft für die Frage,
wohin wir wollen. Ein Platz, der nicht nur gestaltet,
sondern gelebt wird.“
Diese Vorschläge gehen weit über die Beschlüsse des
Bezirksbeirats Mitte hinaus. Der Beirat begrüßt zwar die Richtung der Planungen
von Klaus Volkmer, formulierte jedoch noch Wünsche für eine weitere
Ausarbeitung, die die historische und demokratie-relevante Bedeutung nicht
spiegeln. So ging es in der Diskussion des Rates eher um die Frage, wie der
Platz möglichst vielfältig und inklusiv gestaltet werden könne. Der
Bezirksbeirat regte insbesondere an, das Thema Wasser in Form eines
öffentlichen Trinkbrunnens aufzunehmen. In diesem Zusammenhang empfahl Bezirksvorsteherin
Veronika Kienzle, auch das Tiefbauamt und die Stiftung Stuttgarter Brünnele in
die Planung einzubeziehen.
Ein besonderes Augenmerk lenkte der Rat auch auf die zukünftige
Nutzung des Platzes durch Kinder und Jugendliche. Die Bezirksbeiräte sprachen
sich für die Einrichtung von Freizeitangeboten wie einer Tischtennisplatte,
einer Boccia- oder Boule-Bahn sowie einer Schaukel aus. Eine Skateanlage wurde
hingegen verworfen, da sie zu laut sei. Ein sogenannter Pumptrack für Fahrräder
wäre zwar lärmfrei, erfordere jedoch zu viel Fläche, wie die Experten vom
Stadtplanungsamt mittteilten. Veronika Kienzle wies außerdem darauf hin, dass
eine plakatierbare Litfaßsäule anstelle einer reinen Werbesäule erwünscht sei.
Die Platzgestaltung solle außerdem im engen Austausch mit dem Forum
Hospitalviertel sowie dem Jugendrat Mitte abgestimmt werden, um eine breite
Beteiligung der Stadtgesellschaft sicherzustellen.
Genau an dieser Stelle sieht das Forum Hospitalviertel laut
Eberhard Schwarz seine Kompetenz und Erfahrung: „In der Vernetzung aller
Akteure und Gruppen im Sinne eines partizipativen Prozesses.“
Der Planentwurf berücksichtigt bereits wesentliche Aspekte der Barrierefreiheit, unter anderem mit einer Blindenleitführung. Auch an die Infrastruktur wurde gedacht: So sollen Müllfahrzeuge weiterhin passieren können, die allgemeine Durchfahrt aber durch Poller beschränkt werden. Für Lastenräder sei am Ende der Fahrradbügel Platz vorgesehen, auch wenn der Raum dadurch knapper werde. Zur Oberflächengestaltung soll ein wasserdurchlässiger Belag dienen, der das überschüssige Wasser in Grünbeete ableitet. Eine Zisterne sei aufgrund des geringen Wasseranfalls nicht vorgesehen.
Abschließend appellierte der Bezirksbeirat an die zuständigen Ämter, die weiteren Planungsschritte zügig voranzutreiben. Auch wenn sich das Projekt derzeit noch in einem frühen Ideenskizzen-Stadium befindet, sei der Wunsch nach einer baldigen Realisierung deutlich geworden.
