Frühjahrsempfang

Mission lautet: Stadt und Quartier positiv beeinflussen

Der Freiheits- und -Demokratiegedanke stehen beim Frühjahrsempfang mit zahlreichen Vertretern der Politik, Kultur, Kirche, Wirtschaft und Bürgern der Stadtgesellschaft im Mittelpunkt.

 

Nie war er so wertvoll wie heute: der Frühjahrsempfang des Forum Hospitalviertel e. V. „Denn alle Bereiche des Quartiers und des Stadtlebens sowie des Gemeinwesens sind heute versammelt“, registrierte Forum-Vorstand Eberhard Schwarz mit Freude bei seiner Begrüßungsrede auf der Bühne des Renitenz-Theaters. Das war aus Sicht des Pfarrers im Ruhestand aus einem Grund besonders wichtig: „Wir leben in Zeiten, in denen die Gesellschaft auseinanderzubrechen droht.“

War der Frühjahrsempfang also bisher schon wichtig, um eine informelle und gesellige Umgebung zu schaffen, in der Menschen aus verschiedenen Bereichen, wie Politik, Wirtschaft, Bildung und Kultur, zusammenkommen können. So war er angesichts des zur Sorge veranlassenden Sittenbildes von Eberhard Schwarz in diesen Tagen besonders wichtig: Denn der Empfang ermöglichte den Austausch von Ideen und die Knüpfung neuer Verbindungen von Menschen, denen das Wohl und Weh der Stadt am Herzen liegt. Ein Ausschnitt der Gästeliste mag das veranschaulichen. Gekommen waren neben vielen anderen die Bezirksvorsteherin Mitte Veronika Kienzle (Grüne) nebst ihrem Gatten Altstadtrat Michael Kienzle (Grüne), die Stadträte Christoph Ozasek (Klimaliste), Doris Höh (FDP), Jürgen Sauer (CDU), Raphaela Ciblis (Grüne), den Bezirksbeiräten Cornelius Hummel (FDP), Klaus Wenk (CDU), Peter Jagusch (PULS) sowie der FDP-Europakandidatin Dajana Hummel.  

Auch ihnen galt der Dank von Eberhard Schwarz im Namen des Vereins für ihre Unterstützung bei dem Haushaltsantrag zur Förderung der Vereinsarbeit in den kommenden zwei Jahren. Dank und Anerkennung sprach Schwarz aber auch dem Revierleiter Mitte, Jens Rügner aus: „Es ist gut, sie in unserer Nachbarschaft zu wissen.“ Nicht weniger dankbar zeigte sich Schwarz gegenüber Astrid Schmelzer vom Stadtplanungsamt: „Sie haben mit ihren Kollegen viel zur Entwicklung und Aufwertung des Quartiers beigetragen.“ Das Viertel, so Schwarz weiter, ist in seiner Qualität und seinem Ruf zur Quartiersarbeit weit über die Quartiersgrenzen hinausgewachsen. „Das ermutigt uns weiter am Ball zu bleiben“, sagte Schwarz.

Und weil so ein Frühjahrsempfang natürlich auch dazu dient, wichtige Informationen über aktuelle Projekte, Initiativen oder Entwicklungen zu präsentieren, kam Eberhard Schwarz flugs auf das Demokratie-Projekt zu sprechen, bei dem das Forum Hospitalviertel Kooperationspartner der Uni Stuttgart und dem Internationales Zentrum für Kultur- und Technikforschung (IZKT) ist.  Im Rahmen des Projekts kam Schwarz auch auf die Suche nach einem konkreten Ort zu sprechen, „an dem Demokratie sichtbar und erlebbar wird“. Gemeint ist das Leuschnerplätzle, „wo die erste Demokratiebewegung Deutschlands mit Gewalt zerschlagen wurde“.

Nicht nur dort soll laut Dr. Elke Uhl vom IZKT der Geist ihres Projektes wehen: „Wir befassen uns nicht mit Freiheit an sich, sondern wir stellen uns die Frage: Wie sind zukünftige Freiheiten, wie können Sie beschaffen sein?“ Deswegen begeben sich die Studenten dreier Hochschulen der Uni Stuttgart, der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und der Merz-Akademie ins Jahr 2049. Sie fragen, wie diese alltäglichen Freiheitspraktiken geschaffen sein werden und produzieren spekulative Dokumentarfilme. Wichtig dabei ist, dass diese Filme nicht im stillen Kämmerlein entstehen, sondern im Dialog mit den Bürgern. Das Ziel ist es, dafür eine temporäre Zukunftswerkstatt am Leuschnerplätzle zu schaffen.

Sichtbar und erlebbar zu sein, ist natürlich auch für Theaterleute die Basis für eine gute Arbeit. Im Hospitalviertel hat das der Gastgeber Roland Mahr mit seinem Renitenztheater gefunden. „Wir haben uns hier immer willkommen gefühlt“, sagte der Intendant des Renitenztheaters, der auch Vorstand im Forum Hospitalviertel ist. Und so befruchte man sich bis heute wechselseitig: die Kunst und der Quartiersverein. „Die Frage des Zusammenlebens beschäftigt nicht nur mich persönlich“, sagte Mahr, „sondern wird auch in unseren Produktionen thematisiert.“ Weiter sagte er: „Dazu planen wir ein Herzensprojekt, nämlich unser Festival „Büchse26“, das vom 4. bis 9. Juni stattfinden wird.“  Was einen an diesen Tagen erwarten könnte, zeigte schließlich der renommierte Kabarettist Thilo Seibel. Er fokussierte sich auf die Herausforderung, der aktuellen Weltlage etwas Positives abzugewinnen.

Als Kommunalpolitiker muss man ohnedies immer positiv denken. Denn ohne Gestaltungswillen und die innere Mission, die Stadt positiv zu beeinflussen, würde keiner ein Mandat übernehmen. Was die jeweiligen Mandatsträger antreibt, das gaben sie beim Frühjahrsempfang spontan und ohne Vorbereitung zum Besten, was sie unter Freiheit und Demokratie verstehen:

Jürgen Sauer (CDU): Für mich spielen die Begriffe Freiheit und Demokratie eine ganz zentrale Rolle in unserem Staatswesen. Und natürlich hängen Freiheit und Demokratie zusammen. Ein ganz wichtiger Punkt ist für mich auch, dass man eine freie Meinungsäußerung in Stuttgart im Land Baden-Württemberg und in Deutschland auch in Zukunft äußern kann.“   

Veronika Kienzle (Grüne): „Ja, was bedeutet Freiheit für mich? Die Freiheit bedeutet, dass wir die Freiheit haben, uns zusammenzuschließen, um etwas Gutes auf den Weg zu bringen. Und dass wir weitestgehend die Voraussetzungen haben, dies allen zu ermöglichen. Auch jenen, die vielleicht ein körperliches oder auch geistiges Handicap haben. Es ist gut, dass sie ihre Ideen oder Fähigkeiten mit einbringen können. Freiheit bedeutet aber auch, nein zu sagen, wenn wir meinen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Oder wenn wir meinen, dass wir die Regeln neu definieren müssen. Und natürlich dann, wenn wir meinen, dass hier einfach die Freiheit der anderen eingeschränkt wird. Bezogen auf den Verein Forum Hospitalviertel bedeutet das: Ich habe diese Arbeit hier im Quartier seit 20 Jahren immer als eine freie, eine geistig freie Arbeit empfunden. Gerade weil sie in der Gesellschaft verankert ist, weil sie Interreligiös verankert ist. Diese Arbeit beschränkt sich nicht auf eine Religion, sondern sie bezieht alle Religionen und auch alle spirituellen Strömungen, die wir in der Stadt haben, mit ein. Insofern ist hier, auf kleinstem Raum der großen Landeshauptstadt, so viel Entscheidendes passiert, was für mich auch Vorbildcharakter für die gesamte Landeshauptstadt hat.“

Christoph Ozasek (Klimaliste): „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden. Das heißt, wir müssen die Freiheit schützen. Und immer die Freiheit der anderen im Blick behalten oder sie verteidigen. Mit Jean Jacques Rousseau, dem klassischen liberalen Philosophen, gesprochen, ist Freiheit ein Zustand, der dann da ist, wenn niemand unterdrückt wird. Wenn zum Beispiel die Gesetze für die Mächtigen gemacht sind. Dann ist es keine Demokratie für alle. Ich glaube, da sind wir in einem gefährlichen Entwicklungskorridor weltweit.  Ich mache mir große Sorgen um unsere Demokratie. Wenn ich schaue, wie diese Lichtgestalten, diese Techgiganten, die unermessliches Vermögen aufgehäuft haben, heute Kontrolle ausüben können über Demokratie, dann ist das etwas demokratiegefährdendes. Das muss uns alle beschäftigen. Wenn ich sehe, wie viele Länder weltweit gerade wegdriften in Richtung Autoritarismus und wie die Demokratie als Staatsform tendenziell schwindet, dann muss uns das alle beunruhigen. Durch die starke Konzentration von Vermögen, von politischer Macht in den Händen weniger, geht vieles davon verloren. Und viele Menschen fühlen sich in so einer Demokratie nicht mehr repräsentiert. Deshalb müssen wir Sorge dafür tragen, dass die Stimmen aller gehört werden und nicht nur diejenigen Stimmen der Menschen, die laut schreien und die Macht haben und den Einfluss und die Netzwerke.“

Margarete Schumm (Klimaliste): „Ich mach es genau andersrum, ich beginne beim Individuum. Bei jedem Einzelnen und dessen Freiheit, die nur so weit gehen darf, dass man andere mit seinem Handeln nicht einschränkt. Ich glaube, das ist das, was unsere Gesellschaft braucht. Nämlich dass sich Menschen in einem Quartier begegnen können und in einen Dialog kommen. Wir wollen uns für Orte einsetzen, wo es diese Begegnung gibt. Für eine Stadt, die in ihrer Transformation alle mitnimmt. Wenn wir anfangen, den anderen zu verstehen, zuzuhören, uns zu begegnen, aber auch den Raum zu teilen, miteinander wieder zu teilen, dann können wir Freiheit und Demokratie bewahren. Genau das ist die Basisdemokratie, wenn wir wieder vor Ort im Quartier damit anfangen, miteinander in Verhandlungen zu treten. Und hier im Hospitalviertel ist ein wunderbarer Ort, wo das gut gezeigt wird.“

Raphaela Ciblis (Grüne):Auch bei mir geht der Gedanke sofort an unser Grundgesetz. Es ist wirklich immer wieder ergreifend, denn die Würde des Menschen ist unantastbar. Das ist was, was mir immer wieder Gänsehaut bereitet. Weil es eigentlich alles sagt, und das hat dann auch mit Demokratie zu tun. Mit dem Menschsein. Genau hier setzen wir uns mit unseren Ideen und unseren Programmen ein. Im Mittelpunkt unserer Politik steht daher immer die Menschenwürde und die Freiheit. Das ist unsere Verantwortung, das muss man spüren.“

Doris Höh (FDP): „Freiheit heißt für mich, die Möglichkeit zu haben, mir mein Leben, meine Existenz, mein Umfeld so zu gestalten, wie es mir möglich ist. Freiheit ist auch, sagen zu dürfen, was man denkt. Gerade die jungen Menschen gilt es zu motivieren, diesen Freiheitsgedanken auch zu leben.“  

Im Grunde gehen alle Statements in eine Richtung: Freiheit und Demokratie brauchen ein Forum, auf dem alles immer wieder ausdiskutiert wird. Ein Forum, das   Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit stiftet. In dieser Weise förderte der Frühjahrsempfang das Gefühl der Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit. Und damit hat der Verein seinem Namen „Forum Hospitalviertel“ alle Ehre gemacht. Denn dem Verein ist es gelungen, Menschen zusammenbringen, eine Atmosphäre der Verbundenheit und Solidarität zu schaffen, die dazu beiträgt, Beziehungen zu festigen und den Demokratiegedanken zu stärken.

Das Liegenschaftsamt unterstützt das Demokratie-Projekt nicht

Demokratieprojekt braucht Hilfe

Das Liegenschaftsamt unterstützt das Demokratie-Projekt nicht

Bezirksbeirat kritisiert Liegenschaftsamt

Der gesamte Bezirksbeirat Mitte und Bezirksvorsteherin Kienzle wünschen sich vom Liegenschaftsamt ein Einlenken bei der Zwischennutzung leerstehender Räume am Leuschnerplätzle.

Kleines Anliegen, großes Thema. So startete Eberhard Schwarz seine Rede vor dem Bezirksbeirat Mitte und Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle. Tatsächlich geht es Schwarz und dem Forum Hospitalviertel e.V. um nicht weniger als die Demokratie und ein einzigartiges Projekt dazu. Denn das Forum Hospitalviertel ist Kooperationspartner des universitären Projektes „Zukünftige Freiheiten. Reportagen aus der postkarbonen Gesellschaft des Jahres 2049“ unter der Federführung von Dr. Elke Uhl (Internationales Zentrum für Kultur- und Technikforschung – IZKT).

Das kleine Anliegen des Forum-Vorstandes ist ebenso schnell erklärt: Gerade das Leuschnerplätzle soll bei diesem Projekt eine besondere Rolle spielen. Denn am Leuschnerplätzle, an der Ecke Fritz-Elsas-Straße/ Leuschnerstraße, endete mit der Auflösung des nach Stuttgart geflohenen „Frankfurter Rumpfparlaments“ im 19. Jahrhundert ein bedeutendes Kapitel nationaler Demokratiegeschichte. Und genau hier soll dieses lose Ende der Demokratiegeschichte wieder aufgenommen werden.

Das Projekt untersucht nun vor allem die vielfältigen Debatten um den Freiheitsbegriff und dessen Zukunftsfähigkeit bis zum 100. Geburtstag des Grundgesetzes im Jahr 2049. Dabei sollen Bürger des Quartiers, Wissenschaftler und Studierende in einen kreativen Austauschprozess eingebunden werden.

Ein zentraler Bestandteil des Projektes sind die Dokumentarfilme mit den Bewohnern des Hospitalviertels, die unter anderem in einem temporären Begegnungsort produziert werden sollen: im „Atelier Leuschnerplätzle“. Es ist als Freiheitswerkstatt, als Begegnungsraum und als Ausstellungsraum konzipiert.

Tatsächlich würde sich dafür eine Liegenschaft der Stadt besonders eignen. Nicht nur, weil sie seit geraumer Zeit leer steht und offenbar auch nicht ad hoc zu vermieten ist. Einen Teil der Fläche könnte nun als Atelier dienen. Doch das Liegenschaftsamt lehnt die Zwischennutzung für das Demokratieprojekt kategorisch ab. Begründung: Die Fläche müsse erheblich saniert werden. Zudem hätte das Liegenschaftsamt derzeit alle Hände voll mit Flüchtlingsunterkünften zu tun. Ein dort ansässiger Einzelhändler widerlegt dies. Er erklärte gegenüber dem Forum Hospitalviertel: „Das Liegenschaftsamt hat uns sogar aufgefordert aktiv nach Pop-Up-Mietern zu suchen.“

Das Liegenschaftsamt selbst hüllt sich inzwischen in Schweigen. Mehr noch: Die Vertreter des Amtes haben sogar eine Einladung zur Bezirksbeiratssitzung abgelehnt. Nachdem Veronika Kienzle ihrem Rat und den Bürgern im Mittleren Sitzungssaal diese Botschaft übermittelte, folgte ein Raunen des Unmutes im Saal. Vereinzelt waren Stimmen herauszuhören, die Worte wie „Armutszeugnis“ oder „Das gibt’s doch gar nicht herauszuhören.

Auch für Pfarrer im Ruhestand Schwarz ist diese Haltung der Verwaltung nicht nachvollziehbar. Er stellte sogar eine Grundsatzfrage: „Wie geht man von Seiten der der Stadt mit Leerstand um?“ Schwarz wünscht sich einen transparenteren und kreativeren Umgang. „So sollte man nicht mit städtischem Eigentum umgehen. Zudem redet man in der Stadt gerne von Bürgerbeteiligung, aber in den Ämtern scheint dieser Gedanke noch nicht verankert zu sein.“           

Worte, die bei den Bezirksbeiräten kollektive Betroffenheit auslöste. „Ich kann das nicht nachvollziehen“, erklärte Heinrich Huth (SPD), „ich wünsche mir, dass das Liegenschaftsamt diese Räume zur Verfügung stellt.“ Auch Cornelius Hummel von der FDP versicherte Schwarz und dem Forum Hospitalviertel seine ganze Unterstützung: „Von mir voller Rückenwind.“ Veronika Kienzle geht sogar noch einen Schritt weiter. Sie hat die historische Bedeutung des Leuschnerplätzles erkannt und will sich nun um diesen Ort persönlich kümmern, obschon man ihn wegen seiner Lage und Topografie nicht ohne weiteres zu einem Gedenkort machen könne. Fürs Erste versprach sie aber, das Liegenschaftsamt erneut im Namen des Bezirksbeirates Mitte anzuschreiben. „Wir werden erneut darum bitten, diese Räume für eine mehrmonatige Nutzung freizugeben.“     

Für das Forum Hospitalviertel bedeutet diese Zusage sehr viel. Aus Sicht des gesamten geschäftsführenden Vorstandes ist mit etwas gutem Willen an dieser Stelle etwas ganz Wunderbares im Sinne der Demokratie sowie der Geschichte dieses besonderen Platzes möglich. Aus diesem Grund appellieren die Geschäftsführenden Vorstände des Forum Hospitalviertel an das Liegenschaftsamt, in diesem Fall das scheinbar Unmögliche möglich zu machen.  

Demokratie-Projekt

Forum ist Partner eines universitären Demokratie-Projektes  

Leuschnerplätzle rückt ins Bewusstsein

Das Forum Hospitalviertel ist Kooperationspartner des universitären Projektes „Zukünftige Freiheiten. Reportagen aus der postkarbonen Gesellschaft des Jahres 2049“ unter der Federführung von Dr. Elke Uhl (Internationales Zentrum für Kultur- und Technikforschung – IZKT). Bei dem Projekt wird diskutiert, wie sich der Freiheitsbegriff transformieren könnte und welche Auswirkungen dies auf unsere Gesellschaft haben könnte. Das Projekt beinhaltet die Produktion von spekulativen Dokumentarfilmen, die verschiedene Aspekte der zukünftigen Freiheit beleuchten. Studierende aus verschiedenen Hochschulen werden in einem transdisziplinären Ansatz zusammenarbeiten und mit den Bewohnern des multikulturellen Hospitalviertels in einen Dialog treten. Das Ziel ist es, die Debatte über die Zukunft der Freiheit zu konkretisieren und aus ideologischen Argumentationsmustern auszubrechen. Die Bürgerinnen und Bürger des Quartiers werden aktiv in den Prozess einbezogen und zu den öffentlichen Veranstaltungen eingeladen.

Das Projekt untersucht vor allem die vielfältigen Debatten um den Freiheitsbegriff und dessen Zukunftsfähigkeit bis zum 100. Geburtstag des Grundgesetzes im Jahr 2049. Dabei sollen Bürger, Wissenschaftler und Studierende in einen kreativen Austauschprozess eingebunden werden. Das Projekt besteht aus drei Modulen: transdisziplinäres Lehrprojekt zur Filmproduktion, Dialog mit Bürgern des Hospitalviertels in Stuttgart und Einrichtung einer temporären Freiheitswerkstatt als Begegnungsraum im „Atelier Leuschnerplätzle“.

Gerade das Leuchschnerplätzle liegt dem Forum Hospitalviertel besonders am Herzen. Denn die Leuschnerstraße mit dem sogenannten Leuschnerplätzle im Hospitalviertel gehört zu den weniger attraktiven Orten in der Stuttgarter City. Aber der Schein trügt: an der Ecke Fritz-Elsas-Straße/ Leuschnerstraße endete mit der Auflösung des nach Stuttgart geflohenen „Frankfurter Rumpfparlaments“ im 19. Jahrhundert ein bedeutendes Kapitel nationaler Demokratiegeschichte.

Nicht zuletzt deshalb entstand bereits 2014 die Idee, diesen Ort der Demokratie sichtbar zu machen. Dies könnte nun durch das IZKT-Projekt teilweise gelingen. Alte Fragen von damals können nun neu (in Interviews) gestellt werden: Wie könnte die Erinnerung an das Ereignis adäquat und gestalterisch dargestellt werden? Wer sollte sich darüber Gedanken machen? Und kann man die Geschichte des Stuttgarter „Rumpfparlaments“ an nur einem Ort erzählen, es hat ja an verschiedenen Orten getagt, bis es gewaltsam aufgelöst wurde?

Ob das gelingt, wird sich zeigen. Sicher ist indes eines: Die Filmteams greifen beim Projekt auf Ergebnisse zurück, die im Dialog mit Menschen, die oftmals nur wenig Berührungspunkte mit Wissenschaft hatten und die in einem multikulturellen Quartier – dem Hospitalviertel – leben, erarbeitet wurden. Die Einwohner des Quartiers weisen ca. 70 unterschiedliche Nationalitäten auf, 56 Prozent sind Deutsche, der Anteil der Arbeitslosen und auf Grundsicherungsleistungen Angewiesenen bei Einwohnern unter

65 Jahren liegt mehr als das Doppelte über dem Stuttgarter Mittel. Das stellt Herausforderungen an die Wissenschaftskommunikation unseres Themas, denen mit der co-kreativen Produktion und Reflexion spekulativer Dokumentarfilme begegnet wird. Um die Bewohner des Hospitalviertels in den Prozess der Konzipierung und ggf. Durchführung der Filmarbeiten einzubeziehen, wird -wie gesagt – ein temporärer Begegnungsort geschaffen: das „Atelier Leuschnerplätzle“.

Das Forum Hospitalviertel hat in diesem Projekt vor allem die Rolle des Netzwerkers. Wir werden den Machern Türen öffnen und Verbindungen schaffen. Auch zu Menschen im Quartier, die sich als Zeitzeugen an den Interviews und Filmen beteiligen wollen. Aber die Bürger des Hospitalviertels werden nicht nur in die Filmarbeit eingebunden, sondern auch zu den öffentlichen Aufführungen und Diskussionen eingeladen. Es ist zwar noch nicht spruchreif, aber tatsächlich plant das Forum Hospitalviertel parallel zum Projekt ein kleines Symposium zum Thema Demokratie. Mehr dazu und zu allen Neuigkeiten erfahren Sie hier auf unserer Web-Site, auf unserem Newsletter (Anmeldung unter https://forum-hospitalviertel.de/kontakt/) und natürlich unseren Social Media Kanälen auf Facebook und Instagram: Forum Hospitalviertel e.V. (@forum_hospitalviertel) • Instagram-Fotos und -Videos  

Lokal-Termin

Polizei froh über den Dialog mit Bürgern

Der  Lokaltermin des Forum Hospitalviertel mit Vertretern der Polizei und Bürgern aus dem Quartier
hilft beiden Seiten. Für Meldungen aus der Bürgerschaft ist die Polizei stets
dankbar: „Wir wollen immer ansprechbar sein. Rufen Sie an, wenn Ihnen etwas
auffällt!“  

Sicherheit ist (k)eine Gefühlssache. Oder? „Es gibt das
Gefühl, dass sich das Konfliktpotential in der Gesellschaft erhöht hat. Wir
alle sind vorsichtiger und ängstlicher geworden“, sagte Eberhard Schwarz,
Vorstand des Vereins Forum Hospitalviertel zur Begrüßung der Veranstaltung
„Sicherheit im Quartier“ in den Räumen des CVJM. Damit sprach Schwarz den
meisten der rund 25 Teilnehmer des Lokaltermins mit zwei Vertretern der Polizei
aus dem Herzen.

 Doch bei diesem Thema helfen letztlich nur Fakten. Die Zahl
der Delikte, die von der Polizei verfolgt werden, geben im Vergleich der Jahre
meist eine gute Einschätzung über die Sicherheitslage in der Stadt oder einem
Quartier. Mit diesen Zahlen, der sogenannten Kriminalitätsstatistik der
Polizei, lassen sich verlässliche Aussagen über die Lage machen. Allein mit dienen
Zahlen konnten Christopher Dirscherl, Leiter des Bezirksermittlungsdienstes, und
seine Kollegin Ute Jentzsch vom Referat Prävention nicht diesen. Die Zahlen für
das Jahr 2023 werden naturgemäß erst im darauffolgenden Jahr veröffentlicht. Eines
konnte der stellvertretende Leiter des Innenstadtstadtreviers jedoch schon
jetzt sagen: „Im Jahr 2018 gab es mehr Straftaten als jetzt.“

Weil Dirscherl ein alter Hase in seinem Metier ist, weiß er
genau, was er mit solchen Aussagen auslöst. Nämlich Staunen. Denn das
subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger korreliert nicht mit der objektiven
Lage. Das mag auch der anwachsenden Informationsflut in den sozialen Medien
sowie der Boulevardisierung der Stuttgarter Tagespresse liegen. Das mediale
Geschäft mit dem Verbrechen zeigt also Wirkung bei den Menschen. Die Stadt und
ihre Bezirke werden zunehmend als unsicher und in den Abendstunden als
bedrohlich empfunden. Doch Christopher Dirscherl hält dagegen: „Auch wenn es
einen leichten Anstieg der Fälle gäbe, ist er nicht bedrohlich.“

Überdies gibt Christopher Dirscherl zu bedenken, dass die
Lage in der Innenstadt an Freitagen und Samstagen natürlich nicht zur
Verallgemeinerung diene. „Da ist Remmidemmi, da prägt die Eventszene mit viel
Publikum die Stadt. Und je mehr Leute da sind, desto mehr Kriminalität ist
möglich.“
  Doch auch hier stellt der
Polizeibeamte klar: Die Ordnungsmacht ist präsent. Ob in Uniform oder in Zivil.
Auch die Poserszene habe man im Blick. „Durch unsere Maßnahmen sind die Poser vorsichtig
geworden. Wenn die mit einem Auto kommen, das nicht zulässig ist, müssen sie
damit rechnen, dass wir es aus dem Verkehr ziehen.“

Obwohl Christopher Dirscherl mit dieser Rede und seinem
selbstsicheren Auftreten Eindruck machte, bleiben freilich dunkle Flecken in
der Stadt. Im Wortsinn und im übertragenen Sinn. Die Polizei kann nicht überall
gleichzeitig sein. Das weiß auch der erfahrene Beamte. Daher appellierte er an
die rund 40 Teilnehmer aus dem Quartier, sich selbst die Frage zu stellen: „Wo
haben wir dunkle Ecken? Und wie können wir die heller machen?“ Auch für
Vorschläge aus der Bürgerschaft sei man dankbar: „Wir wollen immer ansprechbar
sein.“

In diesem Satz liegt die Kernbotschaft von Christopher
Dirscherl, die er für diesen Abend mitbrachte: „Rufen Sie an, wenn Ihnen etwas
auffällt.“ Damit will der Beamte der Furcht entgegentreten, dass man der
Polizei nur in Notfällen anrufen dürfe: „Rufen Sie lieber eher an, als gar
nicht. Lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig! Man muss sich keine Gedanken
machen, dass der Einsatz in Rechnung gestellt wird.“ In Notfällen empfiehlt er
die
110 zu wählen, für Fälle im
Quartier sei es auch möglich, das Revier direkt unter folgender Nummer zu
kontaktieren:
07 11/89 90 31 00. Die
Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle (Einbruchschutz etc.) ist unter
07 11/89 90 12 30 zu erreichen.

Für den Wirt des „La Commedia“, Piero Cuna, ist das eine
gute Nachricht. Bisher hat er sich mutig selbst in Gefahr begeben, wenn dunkle
Gestalten sein Lokal ausspähten. Davon oder anderen Aktionen, die einen in
Gefahr bringen könnten, raten Jentzsch und Dirscherl ab. „Das ist unsere
Aufgabe. Deshalb ist es uns wichtig, dass wir im Dialog bleiben.“ Sowohl die
beiden Beamten als auch die Teilnehmer der Veranstaltung begrüßten daher, dass
das Forum Hospitalviertel sich um diesen Dialog zwischen Bürger und Polizei
verdient gemacht habe.

In diesem Sinne soll es nun auch weitergehen. Nicht nur mit
weiteren Veranstaltungen des Forum Hospitalviertel, auch mit dem aktiven Dialog
zur Polizei und dem Ordnungsamt der Stadt Stuttgart. Denn bei vielen Problemen
im Quartier sind Polizei oder Polizeibehörde auf die Zusammenarbeit mit
Bürgerschaft angewiesen. Ganz gleich, ob es sich um Themen der Sauberkeit und
Sicherheit oder des Straßenverkehrs handelt. Oft fehlt den Ordnungshütern
schlicht die Information über Missstände oder Probleme.

So zeigte sich Christopher Dirscherl gleichermaßen dankbar
und überrascht, als die Teilnehmer ihn auf die permanenten Verstöße gegen die
Einbahnstraßenregelung („Das wird grundsätzlich ignoriert“) in Kenntnis
setzten. „Wir schauen und das an“, versprach Dirscherl, „wir nehmen das sehr
ernst.“ Natürlich wissen die Bürger und Teilnehmer des Abends, dass diese
Absichtserklärung von Christopher Dirscherl nicht alle Probleme auf einen
Schlag löst. Aber das Versprechen, die Sorgen der Bürger ernst zu nehmen, ließ
alle Teilnehmer mit einem guten Gefühl nach Hause gehen. Und gerade beim Thema
Sicherheit ist das Gefühl bekanntermaßen eine nicht zu unterschätzende Größe. 

                                              *

Zum Thema SicherheitsgefühlVor Kurzem erhielten 50 000 Stuttgarter die Einladung,
an einer Sicherheitsstudie teilzunehmen. Diese  Untersuchung fokussiert sich
als erste ihrer Art exklusiv auf das Sicherheitsgefühl und erfasst nicht nur
Gesamtdaten für die Stadt, sondern auch auf Bezirksebene.
Die Teilnehmer wurden zufällig ausgewählt, wobei demografische Daten
und Wohnorte berücksichtigt wurden. 
Eine weitere Innovation liegt
in der
Anwendung der Methodik des Instituts für Kriminologie der
Uni Heidelberg und
des Instituts für Kriminologische
Forschung Baden-Württemberg, was einen
Vergleich mit anderen Kommunen ermöglicht.
Die Studie berücksichtigt nicht nur statistische Werte,
sondern legt auch Wert auf das subjektive Sicherheitsempfinden
der Bürger. Die Stadt ist daran interessiert, die Einschätzungen
der Menschen zu verstehen, da Orte, an denen Ängste existieren,
oft gemieden werden, was wiederum das Unsicherheitsgefühl verstärken kann.

Das Viertel soll noch grüner werden. Geplant sind 40 neue Bäume.

40 neue Bäume fürs Hospitalviertel

Forum erfährt erneut Zuspruch vom Bezirksbeirat Mitte

Das Viertel soll noch grüner werden. Geplant sind 40 neue Bäume.
Das Viertel soll noch grüner werden. Geplant sind 40 neue Bäume.

Der Bezirksbeirat Mitte  Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle unterstützen das Vorhaben der Bürgerbeteiligung beim Baumpflanzprojekt. 

Im Hospitalviertel sollen mit Beginn Frühjahr 2024 insgesamt 40 Bäume gepflanzt werden. Damit soll das Mikroklima in der Innenstadt und im Hospitalviertel  verbessert werden – und natürlich auch die Lebensqualität. Das Projekt soll aus Sicht des Forum Hospitalviertel e.V schnell und zeitnah umgesetzt werden. Das Forum wünscht sich daher, dass dieses Baumprojekt aus nachvollziehbaren Gründen (Klimawandel und Folgen) auf der Agenda der Verwaltung (Garten- und Friedhofsamt, Stadtplanungsamt, Ordnungsamt) ganz oben steht. Das Projekt soll aus Sicht des Forums auch ein Beteiligungsprojekt werden.

Breite Akzeptanz gewünscht

„Sie alle wissen, dass Baumpflanzungen gesellschaftlich nicht neutral wahrgenommen werden. Wir würden sehr gerne ein Beteiligungsprojekt im Quartier in dieser Sache starten“ erklärte Forum-Vorstand Eberhard Schwarz den Bezirksbeiräten und der Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle bei der vergangenen  Sitzung im Rathaus: „Das heißt, wir würden sehr gerne die Bewohner, Nutzer im Quartier mit einbeziehen. Aber dazu brauchen wir erstmal die Information der Ämter. Und wir würden gerne Bezirksbeirat Mitte dazugewinnen.“ Insgesamt geht es Eberhard Schwarz darum, „eine möglichst breite Akzeptanz bei allen im Viertel für das Baumprojekt zu bekommen.“ Das Forum sieht darin auch ein in Zukunft weisendes Projekt, in dem das Forum als Ansprechpartner, Moderator, Schnittstelle und Kümmerer in Abstimmung mit den jeweiligen Ämtern bürgernah wirken kann.

Stadträte signalisieren Unterstützung für einen Antrag auf Dauerförderung

Schwarz erklärte, dass der Verein schon eine ganze Menge an Erfahrung mit solchen Prozessen gesammelt habe. Zuletzt, als es um den Hospitalplatz ging. Bedeutet: Auch der Prozess der Baumpflanzungen mit all seinen Konsequenzen müsse moderiert und diskutiert werden. „Wir möchten auch bei dieser Gelegenheit darauf aufmerksam machen und den Bezirksbeirat bitten, dass Parkraumkonzept und Verkehrskonzept im Hospitalviertel noch einmal anzuschauen“, so Schwarz, „das scheint uns dringend geboten. Zuletzt haben wir anlässlich einer Veranstaltung bei der Sperrung der Theo, nochmal gemerkt, wie dramatisch das sich auch auf das Viertel auswirkt. Auch an den Wochenenden gibt´s große Veränderungen.“ Die Vorrede schloss Pfarrer Schwarz mit einem Appell an den Bezirksbeirat: „Also, erste Bitte: Helfen Sie uns, dieses Projekt auch über die Ämter, gut voran zu bringen. Zweite Bitte: Bitte unterstützen sie uns, wenn es um die Neuorganisation des Parkmodells geht und dass sage ich jetzt als ein kleines ceterum censeo: Wir freuen uns, wenn sie uns unterstützen, für den nächsten Doppelhaushalt – das sage ich jetzt an die Adresse der Stadträtinnen und Stadträte.“ Die anwesenden drei Stadträte, Laura Halding-Hoppenheit (FRaKTION), Christoph Ozasek (PULS) und Dr. Matthias Oechsner (FDP),  nickten daraufhin wohlwollend. 

Flammendes Plädoyer von Veronika Kienzle

Wie so oft in der über 20-jährigen Geschichte des Forum Hospitalviertel, so durfte sich der Verein auch in diesem Fall der Unterstützung von Veronika Kienzle gewiss sein: „Ich möchte folgendes dazu sagen“, hob die Bezirksvorsteherin zu einem flammenden Plädoyer zu Gunsten des Forum an: „Das Hospitalviertel und das Forum Hospitalviertel ist ein Erfolgskonzept und ein Erfolgsrezept. Und wir haben eigentlich dort gesehen, wie Stadtplanung und Stadtgestaltung, Hand in Hand gelingen kann, nämlich in Zusammenarbeit mit der Bürgerschaft. Ich glaube, noch beispielhafter und vorbildlicher, wie dort, kann man es überhaupt nicht gestalten. Und für die, die noch nicht so lange dabei sind: Das Hospitalviertel entstand aus der lokalen Agenda heraus – das war eine Gruppe, die sich für ihr Quartier einsetzen wollte, wo eben auch gerade, Klima, Bäume, Umwelt, Verkehrsregelung, mehr Wohnen, weniger Autos, ein angenehmeres Gestalten, wo das so in den Anfängen war, rausgekommen ist, ein wunderbares Bildungszentrum, was wirklich ein Herzstück der Landeshauptstadt ist, wie wichtige Leute auftreten, in dem gute Diskussionen stattfinden, indem auch kontrovers diskutiert werden kann und ein öffentlicher Raum, der sich wirklich sehen lassen kann, wer noch weiß, wie es früher aussah.“

Kienzle fordert Dauerförderung fürs Forum Hospitalviertel

Dann wurde Veronika Kienzle kurz still und ergänzte mit ernster Miene: „Aber das wir das nicht, wie man es in der Jugendsprache sagt, für umme haben kann, sondern dass es da auch eine Finanzierung für ein Betriebsbüro braucht, das ist doch absolut selbstverständlich und selbstredend. Und da würde ich gerne diesen Appell an den Gemeinderat, nochmal gerne zu Protokoll geben und an sie richten: Wir brauchen für solche Projekte eine dauerhafte Begleitung und die muss natürlich zusammen mit der Bürgerschaft sein, sonst wird es nicht gelingen. Sonst wird man immer etwas von außen, hineininszenieren und die Bürger müssen damit zurechtkommen. Wir müssen eine Verbindlichkeit, während der Entwicklung schaffen – nur so wird ein Schuh draus und genau das ist dort geschehen. Insofern wäre die herzliche Bitte, dass man so einen Betrag, der ja wirklich überschaubar ist, dass man so etwas so einrichtet, dass man nicht alle zwei Jahre als Bittsteller wieder vorstellig werden muss.“

Das Schlusswort zum Tagesordnungspunkt hatte jedoch Bezirksbeirat Heinrich Huth (SPD): „Ich verfolge das jetzt auch schon einige Jahre mit, dass wir das Forum im Hospitalviertel dabei unterstützen. Ich finde, man nennt sowas Quartiersmanagement und es wird immer so getan, als müsste man das neu erfinden und erbetteln. Es muss irgendwann die Erkenntnis in der Stadtverwaltung geben, dass es ein Quartiersmanagement generell geben sollte. Und deswegen stehen dem Forum Hospitalviertel Mittel einfach zu. Das würde ich mir als selbstverständlich in Stuttgart wünschen.“

Die Zukunft der VHS

Forum-Vorstand bittet OB Frank Nopper um Hilfe

Im Immobilienbrief von Frank Peter Unterreiner ist es nur eine kleine Notiz unter der Überschrift „Stadtreparatur in der Hospitalstraße“. Ein Euphemismus. Denn von Stadtreparatur kann in diesem Zusammenhang keine Rede sein. Im Hospitalviertel hat tatsächlich Reparatur im Sinne einer echten Quartiersentwicklung stattgefunden. Zuletzt hat das Forum Hospitalviertel zusammen mit dem Stadtplanungsamt und vielen Gästen die Fertigstellung eines weiteren Meilensteins der Sanierungsmaßnahmen gefeiert. Das Setzen des Schlusssteins am Synagogenvorplatz soll Mitte 2025 gesetzt werden.

Nun haben sich die Vorzeichen aber verändert. Die Stadtverwaltung plant nun nicht mehr mit der VHS samt Veranstaltungsräumen an diesem Platz. Stattdessen soll ein sechsstöckiges Hauptgebäude, wo einst die GWG-Gruppe ihren Sitz in der Hospitalstraße 33 hatte, als ein schnödes Bürogebäude genutzt werden. Im Erdgeschoss sollen statt der VHS nun „auf 600 Quadratmeter Laden- oder Dienstleistungsflächen entstehen, darüber Büros und Praxen, zusammen etwa 4350 Quadratmeter Mietfläche“, wie der „Immobilienbrief“ berichtet.

Aus Sicht des Forum Hospitalviertel wäre diese Form der Nutzung ein Fehler. Aus diesem Grund hat sich der Vorstand in einem Brief direkt an Oberbürgermeister Frank Nopper und den zuständigen Fachbürgermeister Fuhrmann gewandt. Zudem hat Vorstandsmitglied Eberhard Schwarz auch an die Fraktionen des Gemeinderats Stuttgart geschrieben. Der Brief, der auch an die Stuttgarter Presse ging, hat folgenden Wortlaut und drückt die Sorge des Forum Hospitalviertel aus:

Betreff: Ansiedlung der Volkshochschule Stuttgart im Gebäude Hospitalstraße 33

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Nopper, sehr geehrter Herr Bürgermeister Fuhrmann,

sehr geehrte Damen und Herren in den Gemeinderatsfraktionen,

das Forum Hospitalviertel e.V. setzt sich seit über 20 Jahren als Anwalt der Bürgerschaft für die Belange im Quartier ein. Fast ebenso lange sind wir Partner der Landeshauptstadt bei der Sanierung des Viertels, zuletzt bei der Umgestaltung der Hospitalstraße und des Platzes vor der Synagoge.

Zu den wichtigen städtebaulichen Maßnahmen gehören auch Umbau und Neuausrichtung des Gebäudes Hospitalstraße 33. Seit Monaten laufen Bemühungen, dort die Volkshochschule anzusiedeln – eine einzigartige Maßnahme, die nicht nur das jüdische Leben, sondern auch im Bildungskontext des Quartiers neu positioniert. Denn nach den ursprünglichen Planungen wäre so eine wichtige Bildungsachse vom Treffpunkt Rotebühlplatz ausgehend über den neuen VHS-Sitz bis hin zum Hospitalhof entstanden. Auch für die VHS selbst ist Verortung nahe des Treffpunkt Rotebühlplatz von großer Bedeutung. Man könnte beinahe sagen, es handle sich um eine Schicksalsfrage. Ganz sicher aber ist: Es ist eine Zukunftsfrage der VHS als wichtige Bildungseinrichtung der Stadt im Herzen von Stuttgart.    

Jetzt haben wir erfahren, dass dies von der Stadtverwaltung – Federführung Referat WFW – nicht weiterverfolgt werden soll. Wir würden gerne erfahren, welche Gründe für diese Position stehen. Wir haben uns damit an das Referat WFB gewandt.

Das Forum Hospitalviertel würde es sehr begrüßen, wenn die Stadt ihre Position überdenken und doch noch eine Entscheidung für die Volkshochschule an diesem Standort treffen würde. Eine Entscheidung für die Volkshochschule würde die große Chance bieten, mit einer öffentlichen Nutzung am Platz vor der Synagoge zur Lebendigkeit des Standorts und des gesamten Viertels beizutragen. Damit wäre auch ein wesentliches Ziel der Sanierung erreicht. Mit dem Standort direkt gegenüber der Synagoge könnte das jüdische Leben im Viertel und in der gesamten Stadt gestärkt werden. Nach unserer Meinung handelt es sich nicht nur um finanzielle, sondern wesentlich auch um gesamtstädtische Erwägungen.

Wir bitten, dass Sie sich auf politischer Ebene für unser Anliegen einsetzen und darauf hinwirken, dass die Verwaltung die jetzige Entscheidung gegen die Volkshochschule überdenk und sie in dem von uns genannten Sinne weiterführt.


Quartiersentwicklung

StZ-Redakteurin Adrienne Braun mit Sozialminister Manne Lucha

Hohe Aufenthaltsqualität im Hospitalviertel

„Des is a unheimlich lauschige, chillige Atmosphäre, i könnt mi hier aflechze“, meinte Sozialminister Manne Lucha zum Ende des 6. Landesfachtages Quartiersentwicklung im Hospitalhof. Dass sich der Landesminister im Rosengarten des Hospitalhofs und im Quartier so wohl fühlt, hat viele Gründe. Aber einer liegt genau im Motto des Fachtages. „Gemeinsam. Gestalten – Vernetzung, Austausch, Inspiration.“ Also genau den Grundpfeilern des Forum Hospitalviertel, die den Verein tragen. So erlebten die Teilnehmer des Fachtages, die die Arbeit des Forums aufmerksam begleiten, oft ein Deja vu. Denn das Forum Hospitalviertel ist seit über 20 Jahren in der Quartiersentwicklung aktiv – und sorgt damit für eine sehr hohe Aufenthaltsqualität im Viertel. 

Die Landesstrategie „Quartier 2030 – Gemeinsam. Gestalten.“ fußt auf den Handlungsempfehlungen der Enquetekommission, die sich von 2014 bis 2016 dem Thema „Pflege in Baden-Württemberg zukunftsorientiert und generationengerecht gestalten“ widmete. Die Enquete-Kommission sah in Quartierskonzepten große Potenziale, um Menschen mit Unterstützungs- und Pflegebedarf eine integrierende, lebensstilorientierte Versorgung zu bieten. Als zentraler Auftrag an die Landesregierung wird festgehalten, die alters- und generationengerechte Quartiersentwicklung zu fördern, welche die Voraussetzungen für ein möglichst langes selbstbestimmtes Leben schafft.

Geblieben ist der Ansatz, Gemeinden, Landkreise sowie zivilgesellschaftliche Akteure bei der alters- und generationengerechten Quartiersentwicklung zu unterstützen. Ziel ist es, lebendige Quartiere für alle Generationen zu gestalten – also Nachbarschaften, Stadtteile und Dörfer, in die Menschen sich einbringen, Verantwortung übernehmen und sich gegenseitig unterstützen. Quartiersentwicklung ist in einem ganzheitlichen Sinne zu verstehen und geht über städtebauliche Maßnahmen hinaus: Dazu gehören bedarfsgerechte Wohn- und Nahversorgungsangebote und eine wohnortnahe Beratung, Begegnungsorte, eine tragende soziale Infrastruktur, eine gesundheitsförderliche Umgebung und ein wertschätzendes, von bürgerschaftlichem Engagement getragenes gesellschaftliches Umfeld.

Womit wieder wichtige Punkte der Forums-Arbeit genannt sind. Nicht ohne Stolz blickte Forum-Vorstand Eberhard Schwarz daher im Vorbeigehen auf die Veranstaltung im Hospitalhof, wo auch sein Büro als Pfarrer der Hospitalkirche ist.  Landesweite, überregionale Treffen, bei denen sich Akteure bürgerschaftlichen Engagements begegnen und vernetzen können, sind von großer Bedeutung. So reift eine neue Kultur der Zivilgesellschaft“, sagt Schwarz.            

Einweihung Hospitalstraße

"Heilung einer zerissenen Stadtsituation"

Kleines Fest, große Wirkung. Großes Fest, noch größere
Wirkung. So feierte das Forum Hospitalviertel mit Mitgliedern und Freunden
zuletzt per Mini-Hocketse den vorläufigen Abschluss der Bauarbeiten im
Sanierungsgebiet. Und im Jahr 2025 wird groß gefeiert. Dann nämlich soll der
Synagogenvorplatz fertig sein – „das Herzstück dieser Umgestaltung“, wie es Martin
Holch vom Stadtplanungsamt nannte. Das verbindende Element bei allen Festen ist
jedoch das, was sich das Forum auf die Fahnen geschrieben hat: Menschen
zusammenbringen, gemeinsam im Sinne des Viertels agieren. Dieser Geist war auch
bei der Mini-Hocketse vor dem Rupert-Mayer-Haus zu spüren, zu der die Stadt
Stuttgart und das Forum Hospitalviertel eingeladen hatte.

Gekommen sind tatsächlich wieder viele Menschen aus verschiedenen
Bereichen. Zuvorderst auch die Bauleute der Firma Julius Bach, die den ersten Sanierungsabschnitt
vollendet hatte. Aber auch die Stadtverwaltung inklusive der Bezirksvorsteherin
Mitte, Veronika Kienzle, oder Bezirksbeirat Wolfgang Kaemmer (Grüne) und Monika
Renninger vom Hospitalhof sowie Elke Uhl von der Universität Stuttgart. Nicht
zuletzt war die jüdische Gemeinde durch Susanne Jakubowski und Lars Neuberger
vertreten.

Alle genossen nicht nur die nachbarschaftliche Atmosphäre bei
Speis und Trank, sie wurden freilich auch mit geistiger Nahrung versorgt. Wer
versteht sich darauf besser als Pfarrer und Forum-Vorstand Eberhard Schwarz. „Wir
haben es hier mit der Heiligung einer zerrissenen Stadtsituation zu tun. Wir
sind Schritt für Schritt dabei, dieses Viertel zu reparieren“, sagte Schwarz in
seiner Begrüßung. Gleichzeit nannte er die Beteiligung aller an dieser Arbeit
einen „therapeutischen Prozess“ fürs Viertel und seine Menschen. Konkret meint
er damit, das Miteinander-Unterwegs-Sein, die Stärkung der Nachbarschaft und
das gegenseitige Wahrnehmen.  

Den geschichtlichen Kontext stellte anschließend Martin
Holch her: „Auslöser für das Projekt war ursprünglich die Erkenntnis, dass wir
für den Bereich vor der Synagoge unbedingt etwas machen müssen. Das hat auch die
Israelitische Religionsgemeinschaft so gesehen, und auch das Forum
Hospitalviertel. Denn das Straßenbild entsprach in keiner Weise der Bedeutung,
die dieser Ort für die Stadt hat.“ Dann aber stellte sich im Jahr 2015 laut
Holch die Frage: „Wie muss man mit diesem geschichtlich so schwerwiegenden oder
auch schwer beladenen Stück Stuttgart umgehen?“ Die Antwort lieferte ein kleiner
Planungswettbewerb für die Umgestaltung: „Expressionistisch und aufgesplittert.
Hübsch und beschaulich.“ Im Preisgericht saßen damals auch das Forum
Hospitalviertel und die israelitische Religionsgemeinschaft. Gewonnen hat
schließlich der Architekt Joseph Abiry. „Aber ich will dessen Vorschlag nicht
vorgreifen“, sagte Martin Holch abschließend nicht ohne Humor, „2025 können wir
dann den Platz direkt vor der Synagoge einweihen. Ich sage dann in zwei Jahren
das Gleiche von heute nochmal, das haben Sie bis dahin vergessen.“

 

Neuer Verein Muslimischer Begegnungs- und Gebetsraum gegründet


Im Hospitalhof atmet gelebte Interreligiösität

Es ist gegründet! Am 14. Juni 2023 fand im Hospitalhof die Gründungssitzung des Vereins Muslimischer Begegnungs- und Gebetsraum Stuttgart statt. 22 Gründungsmitglieder hatten sich versammelt. Es war der Höhepunkt eines mehrjährigen Prozesses, der von der Landeshauptstadt Stuttgart – Abteilung Integrationspolitik- und dem Forum Hospitalviertel e.V. begleitet wurde.

Eines vorweg: Es war eine harmonische Veranstaltung in angenehmer Atmosphäre im Hospitalhof und dessen Rosengarten. Und obwohl nun erst der formale Akt der Gründung vollzogen ist, atmete dieser Tag bereits eine gelebte Interreligiösität. Das wurde 15 Minuten vor dem Beginn der Sitzung deutlich. Christoph Hölscher, Vorstand des Forums, wurde von den muslimischen Freunden gebeten, einen Raum zum Gebet zur Verfügung zu stellen. Man wolle niemanden stören, meinten die Teilnehmer respektvoll. „Da habe ich die Hospitalkirche angeboten“, sagt Hölscher, „wenn es für Sie kein Problem sei. War es nicht. Im Gegenteil. Und dann haben fast 20 Moslems und Muslima in der Kirche ihr Gebet verrichtet. Gott wird es nicht gestört haben und ich denke, das durfte ich, ist ja auch meine Kirche.“

Zum Hintergrund: In der Stuttgarter Stadtmitte wohnen und arbeiten zahlreiche Muslime. Stuttgart ist auch Ziel muslimischer Besucher aus aller Welt. Bei vielen von ihnen besteht das Bedürfnis, ihre Religion auch im Zentrum Stuttgarts zu leben und sich mit Angehörigen anderer Religionen auszutauschen. Es gibt zwar an etlichen Orten in Stuttgart Moscheen, Versammlungsstätten und muslimische Gebetsräume. Diese liegen aber nicht im Stadtzentrum oder stehen nicht für jeden Angehörigen des Islam offen. Verschiedene muslimische Gruppen vermissen daher in der Stuttgarter Innenstadt einen Ort der kulturellen und interreligiösen Begegnung, des Austauschs und der Religionsausübung. Für die Zivilgesellschaft kann es ein wichtiger Ort der Begegnung und ein Schaufenster muslimischen Lebens in Stuttgart sein.

Dabei kam das Hospitalviertel in den Fokus. Denn Architekturstudierende der Universität Stuttgart hatten im Jahr 2019 im Rahmen einer Abschlussprüfung die Aufgabe, Pläne und Modelle eines solchen muslimischen Begegnungs- und Gebetsraums zu entwerfen und dabei ein bestimmtes topographisch anspruchsvolles Grundstück im Hospitalviertel gedanklich als Bauplatz zugrunde zu legen. In der Folgezeit haben sich Vertreterinnen und Vertreter verschiedener muslimischer Gruppen auf der Suche nach Räumlichkeiten für Konzeptionsbesprechungen an das Forum Hospitalviertel gewandt und durch Vermittlung von Eberhard Schwarz mehrmals einen Saal im Hospitalhof zur Verfügung gestellt bekommen. Eberhard Schwarz und Christoph Hölscher haben an den Sitzungen beratend teilgenommen. „In den 20 Jahren des Bestehens unseres Vereins haben wir viele Erfahrungen gesammelt in Fragen der Kooperation mit verschiedensten Akteuren und sind gerne bereit, unser Wissen mit Initiativen zu teilen, die das Ziel der Gemeinnützigkeit haben“, sagt Schwarz.

Das Hospitalviertel beheimatet – historisch gewachsen – unterschiedliche christliche Gemeinschaften und konfessionelle Einrichtungen und ist mit dem Ort der Synagoge Zentrum der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs. Von daher ist der Gedanke, hier auch einen muslimischen Begegnungs- und Gebetsraum zu schaffen, auf den ersten Blick nahe liegend. Er kann zur Verständigung und zum besseren gegenseitigen Verständnis der Religionen beitragen, ein Ziel, dem sich auch das Forum Hospitalviertel e.V. verpflichtet sieht.

Zweck des nun gegründeten Vereins ist die Förderung der muslimischen Religionsausübung und des interreligiösen Austauschs. Hierfür soll ein Ort der deutschsprachigen Begegnung, des Austauschs und des gegenseitigen Verständnisses geschaffen und die Sichtbarkeit des muslimischen Lebens in Stuttgart in seiner ganzen Vielfalt gefördert werden. Außerdem soll die Begegnung im interreligiösen Sinne zwischen allen Weltreligionen und im intermuslimischen Sinne zwischen allen unterschiedlichen Lehren und Strömungen des Islams im Mittelpunkt stehen.

Die am 14. Juni 2023 beschlossene Satzung ist wegen der Anerkennung der Gemeinnützigkeit mit dem Finanzamt im Vorfeld abgestimmt worden. Sie wird dem Registergericht vorgelegt und der Verein wird dann als solcher eingetragen (e.V).

Das ist der Anfang der eigentlichen Arbeit: die Suche nach finanzieller Förderung, die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten, deren Ausgestaltung und insbesondere deren Nutzung im Sinne des Vereinszwecks.

„Wie ich gehört habe, ist die Initiative in Deutschland einzigartig“, sagt „Geburtshelfer“ Hölscher nicht ohne Stolz: „Angehörige unterschiedlicher Strömungen des Islams schaffen gemeinsam einen Ort, der allen Muslimen zum Gebet offen steht und dem friedlichen Gedankenaustausch über alle Religionsgrenzen hinweg dient.“

Lob vom Bezirksbeirat

"Das Forum hat das Quartier zum Leuchten gebracht"

Die Sache hat inzwischen Tradition: Eberhard Schwarz erntet im Bezirksbeirat Mitte nach seinem Bericht über die Arbeit des Forum Hospitalviertel regelmäßig Lob und Anerkennung über alle Parteigrenzen hinweg. Auch in diesem Jahr löste der Jahresbericht begeisterte Reaktionen aus. So fühlte sich etwa Heinrich Huth (SPD/Vorstand des Vereins Leonhardvorstadt) mit dem Wirken und dem Ergebnis der Forum-Arbeit „metaphysisch verbunden“. „Hier geht es um die Arbeit, Menschen zu gewinnen, damit sie sich mit ihrem Viertel identifizieren“. Dieses Wirken sei so wertvoll, meinte Huth weiter, dass die Förderung des Forum Hospitalviertel eigentlich automatisch geschehen sollte und nicht alle zwei Jahre beantragt werden müsse. „Denn das Forum nimmt der Stadt viel Arbeit ab“, sagte Huth weiter.

Damit meinte er auch die Arbeit der Polizei. Die stellt in der jüngsten Kriminalstatistik für Mitte manchen Plätzen oder Straßen ein extrem schlechtes Zeugnis aus. Ganz anders sei die Situation laut Innenstadt-Revierleiter Jens Rügner im Hospitalviertel. Hier ist die Sicherheit der Bürger und Gewerbetreibenden im Vergleich zu anderen Quartieren extrem hoch, wie die Straftatenentwicklung zeigt: Zählte die Polizei im Jahr 2018 noch 184 Straftaten, so waren es im vergangenen Jahr nur 96. Von so einer Entwicklung können andere Viertel nur träumen. Für Heinrich Huth sei dieser positive Trend bei der Kriminalstatistik auch der formidablen Arbeit des Forum Hospitalviertel zuzuschreiben: „Durch Sie ist man achtsam und aufmerksam im Quartier, man identifiziert sich.“  

„Eine funktionierende Stadt, in der Menschen gut zusammenleben.“  

Dem großen Lob schlossen sich alle an. Cornelius Hummel (FDP) meinte, das „Forum hat das Quartier zum Leuchten gebracht“. Christa Bauer (Grüne) ergänzte: „Was Sie da gezaubert haben – unglaublich.“ Und Klaus Wenk (CDU) fand es gar „betrüblich und schade“, dass es das Forum noch nicht zu einer institutionellen Förderung gebracht habe. Daher wolle er sich nun in seiner Gemeinderatsfraktion persönlich dafür stark machen. Die Argumente aller Bezirksbeiräte samt der Meinung von Klaus  Wenk dürften dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Alexander Kotz einleuchten: „Es ist immer wieder schön, mit welchem Engagement, Sie diesem Viertel Leben einhauchen.“ Noch schöner sei, dass die Früchte dieser Arbeit weit über das Hospitalviertel hinausstrahlen.

Zuletzt ließ es sich auch Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle nicht nehmen, Eberhard Schwarz und seinem anwesenden Vorstand den Ritterschlag zu verleihen: „Die Arbeit bei der Quartiersarbeit hört, wie bei der Integration nie auf. Dazu braucht es Teilhabe und Teilgabe. Hier ist etwas entstanden, was in der Stadt am besten funktioniert.“ Denn genau das wolle schließlich jeder, so Kienzle mit Verweis auf Brennpunktviertel in Stuttgart: „Eine funktionierende Stadt, in der Menschen gut zusammenleben.“  

Die Basis dafür ist laut Eberhard Schwarz „Vertrauen“ aufzubauen: „Zusammenhalt muss gemacht werden. Er kommt nicht von selbst. Gerade in einer Stadtgesellschaft, die in einem wahnsinnigen Umbruch steckt.“ Weiter sagte der Pfarrer der Hospital- und Leonhardskirche: „Wir versuchen daher an derselben Baustelle zu arbeiten wie der Bezirksbeirat Mitte.“ Im Rückblick auf die 20-jährige Vereinsgeschichte und den aktuellen Entwicklungen in der Stadt stellte Schwarz zudem fest: „Jedes Quartier braucht eigene Antworten.“ Auch wenn das Viertel derzeit eine Blüte erlebe und wohl das sicherste in der Stadt sei, so befinde man sich nicht auf der Insel der Glückseligen. Durch die Angebote der Evangelischen Gesellschaft (eva) sei man beispielsweise auch mit viel Armut konfrontiert. „Aber irgendwie gelingt es uns immer, mit vielen Augen draufzuschauen, uns nachbarschaftlich zu verbinden und mit allen im Quartier im Gespräch zu bleiben.“

Kritik an Stuttgarter Zeitungen

Es war das Stichwort: Im Gespräch bleiben, an Gesprächen teilnehmen. Genau das sei in der Stadt vielen Menschen nicht mehr möglich. Als einen Grund für die gestörte Sender-Empfänger-Situation identifizierte Schwarz die Stuttgarter Tageszeitungen und deren Rückzug aus der politisch-kulturellen Berichterstattung: „Was hat das für Konsequenzen für die Stadt und ihre Menschen, wenn uns die Presse nicht mehr wahrnimmt?“ Mit „uns“ meinte er freilich auch all die Engagierten in den Bezirksbeiräten, der Vereine und Initiativen. Für alle sei es von großer Bedeutung, die jeweilige Arbeit sichtbar zu machen, im Gespräch zu bleiben und dadurch zu weiteren Dialogen anzuregen. Schwarz kündigte an, bei diesem Thema nicht locker zu lassen. Denn dies sei ein wichtiges Demokratiethema. Und damit hat er elegant den Bogen zurück ins Quartier geschlagen: „Für das Miteinander im Quartier brauchen wir Foren, wo die Leute ihre Meinung sagen können, nachdenken können und ihrer Wut freien Lauf lassen können.“ Solche Räume finde man bei Forum-Projekten, wie etwa das Ethik-Café, die Nachbarschaftsgespräche oder die Stadtteilführungen.

In der Zukunft wolle der Verein zudem das Thema soziale Quartiersentwicklung in den Fokus nehmen. „Dazu braucht es ein Gesamtkonzept, das im Nahraum nachhaltig wirkt“, sagte Schwarz und stellte den Räten die Frage: „Was ist der Kitt der Stadtgesellschaft?“ Die Antwort lieferte er freilich prompt hinterher: „Wir sind es! Menschen, die Verantwortung übernehmen. Bezirksbeiräte oder Mitglieder im Forum Hospitalviertel.“ Allerdings, so endete Schwarz nicht ohne Pathos: „Ohne die kommunale Förderung wären wir schon lange nicht mehr da.“

Diese Vorlage nahm Veronika Kienzle dankbar auf und gab den Ball an die Bürgermeister der Stadt weiter: „Wir haben weder unter Baubürgermeister Hahn noch unter seinem Nachfolger Pätzold eine dauerhafte Förderung hinbekommen, vielleicht klappt es nun mit dem Finanz- oder Sozialbürgermeister.“ Veronika Kienzle plädiert sogar dafür, die Fördersumme auf bis zu 30 000 Euro pro Jahr anzuheben: „Das wäre nicht zu viel und vollkommen angemessen.“         

Mitglieder des Vorstands (v. li.): Christoph Hölscher, Eleonore Bauer und Klaus Böhringer.